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JETTENBACH: Gemarkungsteil Archäologen bereits länger als Fundstelle bekannt - Schutz des Geländes angestrebt

Bei Ausgrabungen auf einem zwischen Jettenbach, Eßweiler und Bosenbach gelegenen größeren Geländestreifen ist das Amt für archäologische Denkmalpflege in Speyer fündig geworden. Über Einzelheiten wurden Vertreter des Landkreises Kusel, der VG Wolfstein und der Gemeinden Jettenbach und Eßweiler in einer Besprechung im Jettenbacher Gemeindehaus informiert. Im Anschluss daran einigten sich die Anwesenden über das weitere Vorgehen. Ein beabsichtigter Ortstermin musste wegen Frost und Eis im Grabungsbereich verschoben werden.

Die bei den Grabungen vorgefundenen Mauerteile gehören zu einer ehemaligen römischen Villa mit Haupt- und Nebengebäude. Dr. Rüdiger Schulz, der die pfalzweiten Grabungen der archäologischen Denkmalpflege leitet, stellte fest, dass die betreffenden Gemarkungsteile schon längere Zeit als römische Fundstelle in Speyer bekannt seien. Schon bei der Verlegung der Gaspipeline vor annähernd 30 Jahren sei man hier auf römisches Mauerwerk gestoßen. Nun habe die Trans Europa Naturgas Pipeline GmbH (TENP) vor dem Verlegen einer zweiten Rohrleitung die archäologische Untersuchung in Auftrag gegeben. Die TENP habe auch die Kosten übernommen.

Eine Gefährdung der vorgefundenen Objekte liege auch im landwirtschaftlich betriebenen Fruchtanbau. Durch das Pflügen der Äcker seien die teilweise nur 10 bis 15 Zentimeter von Mutterboden bedeckten Mauern in der Vergangenheit schon stark beschädigt worden. Deshalb sei es vordringlich, Vorkehrungen zu treffen, um weitere Schäden an den Mauern aus der Römerzeit auszuschließen. Das könne allerdings nur dann erreicht werden, wenn in diesem Bereich die Anbauflächen für Frucht still gelegt würden.

Gebietsreferentin Dr. Andrea Zeeb-Lanz vom archäologischen Amt regte an, diese Landschaftsteile in Grünflächen umzuwandeln. Deswegen sollen nun Kontakte mit den Grundstücksbesitzern und -pächtern aufgenommen werden. Auch die rechtliche Situation wurde von der Referentin näher unter die Lupe genommen. Es sei denkbar, nach dem Denkmalschutzgesetz die schutzwürdigen Flächen in den Gemarkungen von Jettenbach und Eßweiler als Grabungsschutzgebiet auszuweisen.
Ortsbürgermeister Bernd Ginkel und Beigeordneter Detlef Bojak fragten nach einer Möglichkeit der touristischen Nutzung der Fundstätten. Dazu wurde bemerkt, dass dies großer finanzieller Investitionen bedürfe, was angesichts leerer Kassen kaum machbar sei. Die Grabungen, so die Anmerkung von Archäologenseite, müssten dazu über die bisher festgelegten Grenzen erweitert werden. Auch dafür stünden bei der Denkmalpflege in Speyer weder finanzielle Mittel noch Personal zur Verfügung.

Im weiteren Gespräch brachte die Gebietsreferentin die Idee von einer geomagnetischen/geoelektronischen Messung in die Diskussion. Dies sei eine "zerstörungsfreie Untersuchung" - eine Art Röntgen der Bodenfläche. Sie bedürfe nicht des sonst üblichen Einsatzes von Arbeitskräften.

Landrat Dr. Winfried Hirschberger regte an, die Kosten von etwa 3000 bis 3500 Euro für die weitere archäologische Untersuchung sollten von beiden Gemeinden und dem Landkreis getragen werden. Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer darüber, das "Röntgen" angrenzender Flächen vornehmen zu lassen. Schließlich seien "die Ausgrabungen ein wissenschaftlicher Gewinn", auch wenn sie nicht ganz so spektakulär angesehen würden. Es sei "schade, wenn ein Stück Vergangenheit verloren ginge". Deshalb wird vordergründig eine Sicherung der Fundstätte als unumgänglich angesehen. Die schutzwürdigen Flächen sollen abgesteckt, ein einstweiliger Schutz angestrebt werden mit dem Ziel einer späteren endgültigen Unterschutzstellung.

Logo RheinpfalzOnlineVon Rudi Lanzer
RON - Rheinpfalz Online 11. Januar 2003

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