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Im Juni 2014 wurden von dem Künstler Gunter Demnig in Kaiserslautern weitere Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Nazi-Regimes verlegt. Unter Anderem tragen nun sieben Steine vor dem Haus Rudolf-Breitscheid-Strasse 71 dazu bei, dass auch das Schicksal der Familie Herze nicht in Vergessenheit gerät.
Hugo und Johanna Herze heirateten in Eßweiler. Die Familie lebte einige Jahre in Eßweiler, drei ihrer sieben Kinder wurden hier geboren.

Die Familie Herze

d-h-e PTX17874 Part 650Hugo Herze wurde am 29. Juli 1870 in Randerath, heute ein Stadtteil von Heinsberg, in Nordrhein-Westfalen geboren. Randerath hatte wie Eßweiler eine große jüdische Gemeinde und Hugo stammt aus einer alteingesessenen jüdischen Familie.
Die Leinenweberei J. Hertze Seelig Wwe & Söhne war um 1870 der größte Arbeitgeber der Region um Randerath. Hugo Herze war Kaufmann und möglicherweise als Vertreter des Familienunternehmens im Musikantenland unterwegs.

Johanna Herze war eine geborene Jakob. Sie wurde am 15. September 1874 in Eßweiler geboren. Ihre Vorfahren kamen aus den Familien Franck und Wolf und lebten schon seit etwa 1770 in Eßweiler. Ihr Vater, Lazarus Jakob, mietete 1902 das Synagogengebäude in Eßweiler. Johanna hatte noch 5 Schwestern. Drei von ihnen wanderten schon vor 1933 in die USA aus. Eine vierte Schwester, Hedwig, wurde 1940 nach Gurs gebracht und am 12. August 1942 nach Auschwitz deportiert.

Johanna und Hugo heirateten am 24. Oktober 1894 in Eßweiler. Das Paar lebte zeitweise in Eßweiler, zeitweise auch in Randerath. Sie hatten insgesamt sieben Kinder.

Die Familie lebte seit 1902 in Kaiserslautern, seit 1930 in der Luitpoldstrasse 71, die heute Rudolf-Breitscheid-Strasse heisst. Hugo Herze arbeitete zum Schluss als Handelsvertreter für die Firma Pfaff.

Das Schicksal der Familie in der Nazi-Zeit

Wilhelm und seine Schwester Hedwig konnten zusammen nach Paris fliehen. Wilhelm emigrierte über Paraguay und Argentinien nach New York. Er heiratete dort Rosa, die Witwe seines Bruders Adolf, und starb 1986.
Hedwig emigrierte ebenfalls nach Paraguay und starb 1983 in Buenos Aires.
Erich Hermann arbeitete in einer Gärtnerei in Heilbronn. Er verbrachte 1938 einige Wochen in "Schutzhaft" im KZ Dachau. Dort traf er auch seinen Bruder Jakob. Im Anschluss wanderte er nach Schweden aus und blieb, nachdem er seine Frau kennenlernte, in Malmö. Nach dem Krieg stellte er die Verbindungen zu den überlebenden Familienmitgliedern her und besuchte auch mehrmals Kaiserslautern.

Adolf Herze

Adolf Herze heiratete Rosa, geborene Lazar. Die beiden lebten in Reydt und flüchteten sich nach Brüssel. Adolf starb im Ghetto in Riga. Seine Frau Rosa konnte entkommen und heiratete in New York ihren Schwager Wilhelm.

Hugo, Johanna und die Familie von Jakob Herze

Jakob Herze war Kaufmann und Schneider. Er heiratete 1931 Lydia, geborene Horn, aus Kusel. Lydia wurde am 29. März 1912 in Kusel geboren. Sie war katholisch getauft. Schon vor der Hochzeit lebte das Paar einige Zeit zusammen. Jakob und Lydia hatten vier Töchter:

Seit 1934 lebte die Familie bei den Eltern von Jakob, bei Hugo und Johanna, in der Luitpoldstrasse 71 (heute Rudolf-Breitscheid-Strasse). 1937 wurden sie wie alle anderen jüdischen Familien in sogenannte "Judenhäuser" umgesiedelt - zuerst in die Klosterstrasse 21, danach in die Gaustrasse 2.1938 verbrachte Jakob einige Wochen in "Schutzhaft" im KZ Dachau, wo er seinen Bruder Erich traf.

Im Oktober 1940 wurden Jakob, seine Frau Lydia, ihre drei Töchter sowie Hugo und Johanna nach Gurs deportiert.

Hugo und Johanna Herze wurden am 21. Februar 1941 ins Lager Noé verbracht. Hugo starb dort am 4. Februar 1943, seine Frau Johanna einen Monat später am 5. März 1943.

Jakob Herze starb am 27. April 1941 in Gurs. Seine Frau Lydia, die im September 1940 als Jüdin gemeldet wurde, überlebte Gurs, wurde jedoch nach ihrer Rückkehr zu Zwangsarbeit verurteilt. Sie konnte fliehen und lebte 1944 und 1945 in Hamburg. Nach dem Krieg kehrte sie nach Kaiserslautern zurück und starb dort 1962.

Von den drei Töchtern, die auch nach Gurs deprtiert wurden, überlebten zwei:
Hedwig wurde vom OSE und von Quäkern aus dem Lager Gurs gerettet und in ein Kinderheim in Frankreich gebracht. Sie kehrte 1949 nach Kaiserslautern zurück und starb dort.
Ruth wurde von der Kinderkrankenschwester und Resistance-Kämpferin Blanche Raphael gerettet und aufgezogen. Erst durch ihren Onkel Erich, der sie aufgespürt hatte, erfuhr sie von ihrer Herkunft. Ihre Mutter Lydia versuchte, sie nach Kaiserslautern zurückzuholen, was jedoch von Ruths Pflegeeltern vereitelt wurde. Ruth besuchte ihren Onkel mehrmals in Malmö und hatte auch guten Kontakt zu ihrer Schwester Hedwig. Ruth wurde ebenfalls Kinderkrankenschwester und zog um 1960 nach Nimes, später nach Boulogne bei Paris und schließlich nach Cagnes-sur-Mer bei Nizza, wo sie 2008 starb.
Hannelore starb im Oktober 1941 in Gurs an Diphterie

Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist

Die Worte aus dem Talmud sind der Antrieb für den Künstler Gunter Demnig, mit Gedenktafeln an die Opfer des Nazi-Regimes in Europa zu Erinnern. Unter diesem Motto wurden im Juni 2014 von Gunter Demnig auch vor dem Haus Rudolf-Breitscheid-Strasse 71, dem letzten freigewählten Wohnsitz der Familie Herze, sieben Stolpersteine für Hugo, Johanna, Jakob, Lydia, Hedwig, Ruth und Hannelore Herze verlegt. Die Patenschaft für die Steine wurden von der BBS I Technik Kaiserslautern und von Margot Wicki-Schwarzschild, einer Überlebenden von Gurs, übernommen. Margot Wicki-Schwarzschild stammt auch aus Kaiserslautern und kannte die Herze-Kinder aus Gurs. Über ihre Erinnerungen an diese Zeit und die Bedingungen in Gurs hielt sie am 9. Juli einen Vortrag vor Schülern der BBSI in Kaiserslautern.
Am 10. Juli fanden an den Verlegestellen vom Juni kleine Festakte statt. Dabei wurden die Geschichte der jeweiligen Personen verlesen und auch die Patenurkunden übergeben.

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