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Wirtschaftliche Situation

Im frühen 19. Jahrhundert ernährte sich die Bevölkerung vorwiegend durch die Landwirtchaft, die allmählich erfolgende Bevölkerungszunahme (1803: 464 Einwohner; 1837/37:614 Einwohner) verschärfte auch in Eßweiler die Armut. Die hier übliche Realerbteilung führte zu immer kleineren landwirtschaftlichen Parzellen und es mangelte auch an sonstigen Beschäftigungsmöglichkeiten in der Region.

Dies und immer wieder auftretende Hungersnöte führten im 18. und 19. Jahrhundert dazu, daß viele Bewohner die Region und somit ihre Heimat für immer verliessen und ihr Glück in fremden Ländern suchten.

Auch die Entstehung des Wandermusikantentums fällt in diese Zeit. Gerade aus Eßweiler kam ein unverhältnismäßig großer Anteil von Musikanten, die in alle Welt zogen, vorwiegend nach Nord- und Südamerika, aber auch nach Australien, China und Afrika. Zwei interessante Persönlichkeiten des ausgehenden 19. Jahrhundert waren Hubertus Killian und Michel Gilcher; Killian brachte es zum kaiserlich-chinesischen Kapellmeister in Peking.

Eine andere Einnahmequelle tat sich auf, als man auf dem Schneeweiderhof Hartsteinvorkommen entdeckte. Etwa um 1840 begannen einige Bürger aus Eßweiler am Kiefernkopf mit der Herstellung von Pflastersteinen. Das Dioritgestein zeichnete sich durch hohe Druckfestigkeit aus, so daß die Pflastersteine sich durch eine besondere Güte auszeichneten und in vielen Städten sich großer Beliebtheit erfreuten. Anfänglich wurden die Gesteinsvorkommen durch viele Kleinbetriebe ausgebeutet, bis ab 1914 die Basalt AG aus Linz am Rhein die einzelnen Betriebe übernahm und den Betrieb immer weiter ausbaute. 1919 wurde ein Seilbahn nach Altenglan gebaut, um den Transport sicherzustellen. 1923 wurde die „Kolonie“ gebaut, eine Arbeitersiedlung mit ca. 50 Wohneinheiten. 1928 hatte der Betrieb 567 Beschäftigte. Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges sank der Beschäftigtenstand auf 320. Noch Anfang der 50er Jahre waren 190 Arbeitnehmer beschäftigt, Ende der 60er Jahre waren es noch 68, wobei die Produktionsleistung infolge starker Rationalisierungen erheblich gestiegen war. Dennoch wurde der Betrieb 1970 stillgelegt, nicht zuletzt wegen der ungünstigen Transportbedingungen. 1952 wurde auf dem Schneeweiderhof eine eigene Schule eingerichtet, die bis 1965 in Betrieb war.

Religionen

Die vorherrschende Religion in Eßweiler und Umgebung ist natürlich das Christentum. Ab 1544 wechselten die Herren, die Wild- und Rheingrafen in Grumbach, zum lutherischen Glauben. 1595 kam Eßweiled dann zu Pfalz-Zweibrücken, deren Herren die reformierte Richtung bevorzugten.

Im 19. Jahrhundert wohnten viele jüdische Familen im Ort, Eßweiler hatte die zweitgrößte jüdische Gemeinde im Kreis Kusel. Es gab auch eine Synagoge. Zum Ende des 19. Jahrhunderts zogen die meißten Juden in die größeren Städte. Die Synagoge wurde 1902 zu Wohnzwecken verpachtet, die Jüdische Gemeinde Eßweiler 1906 aufgelöst. Bis 1938 lebten nur noch zwei jüdische Familien in Eßweiler, die nach der Reichsprogromnacht deportiert wurden und deren Angehörigen größtenteils in den Nationalsozialistischen Konzentrationslagern ermordet wurden.

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