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KUSEL: Paul Engel entdeckt altes Dokument von Rudolph Schmitt - Letzter Eintrag Chicago 1917

Sein Lebenswerk ist neben eigenem Musizieren die Erforschung des Westpfälzer Wandermusikantentums. Aus seiner Arbeit erwuchs das Musikantenlandmuseum auf Burg Lichtenberg. Als Träger des Musikantenlandpreises hatte er sich auch kompositorisch in die Tradition der Wandermusikanten begeben. Die Rede ist von Paul Engel, Musikpädagoge in Kusel. Er hat jetzt im Zuge seiner Nachforschungen zum Wandermusikantentum eine Entdeckung gemacht, die er nachfolgend selbst schildert:

"Die Freude im Pfälzer Musikantenland war groß, als der 1900 in Eßweiler geborene einstige Wandermusikant Rudolph Schmitt 1989 seiner Heimat einen Besuch abstattete. Die Landsleute fühlten sich geehrt, dass der in den USA als führender Soloklarinettist in den bedeutenden Orchestern - in Chicago und San Francisco - des Landes tätige Musiker seine Herkunft aus der Pfälzer Musikantenecke nicht verleugnete - im Gegenteil, den Kontakt zur Eßweilerer Verwandschaft hatte der hochbetagte berühmte Künstler nie abreißen lassen.

Rundfunk, Fernsehen und Presse sowie die gastfreundlichen Behörden des Landkreises Kusel würdigten den hohen Besuch in gebührender Weise. Als Höhepunkt seiner musikalischen Reise sah er damals den Besuch im Musikantenland-Museum auf Burg Lichtenberg an, dem er gerne seine erste Klarinette, die er als Osterbub spielte, überlassen hätte. Bei einem Einbruch in sein Haus in Long Beach, Kalifornien, wurde ihm leider dieses unersetzbare Erinnerungsstück gestohlen.
Auch ein weiterer Wunsch erfüllte sich ihm nicht. Auf einer 1990 an mich gerichtete Grußkarte aus Long Beach heißt es: ,Grüße von Rudolph Schmitt... Hoffentlich können wir nochmal zusammen kommen auf der Burg Lichtenberg. Auf Wiedersehn!' Rudolph Schmitt verstarb im Jahre 1993 bei einem Unfall in seiner Wohnung. Die Flugtickets für die Besuchsreise mussten wieder zurückgegeben werden.
Bei Durchsicht handgeschiebener Stimmbücher im Musikantenmuseum in Mackenbach fiel mir in der vergangenen Woche ein kleinformatiges Marschheftchen in die Hände, das als Deckeleintrag den Namen des Eßweilerer Musikanten Jacob Meisenheimer zeigte. Nicht wenig erstaunt war ich jedoch, als ich unter dem Titel No 31 einen Vermerk des Notenschreibers entdeckte, der da lautete: "R. Schmitt, 6. März 1914". Sollte dies etwa die Handschrift des berühmten späteren amerikanischen Starklarinettisten sein? Beim Weiterblättern im Marschbüchlein fanden sich noch deutlichere Hinweise, die durch die Ortsangabe ,Chicago' enthielten. Der letzte Eintrag brachte vollends Gewissheit: ,Rudolph Schmitt, Chicago, 25. Februar 1917.'
Aus Schmitts Biographie weiß man: Er lernte als elfjähriger Bub bei Gustav Hebel das Klarinettenspiel, war mit der Kapelle seines Lehrer 1913 auf Tour in Holland und zog 1914 mit Verwandten, darunter Bruder Karl und Cousin Jakob Meisenheimer, nach Chicago, wo sie als Partie bis 1917 (Kriegseintritt der USA) gemeinsam musizierten. Schade, dass der alte Herr nicht mehr selbst dieses wertvolle Dokument über die Anfänge seiner großen Karriere in Händen halten durfte!"

Logo RheinpfalzOnlineRON - RHEINPFALZ ONLINE, Dienstag, 23. Mai 2000

 

Einige Seiten aus dem Notenbuch

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