Als ich im Sommer 1895 von Edinburgher Straßenmusikanten hörte, dass mein alter Kapellmeister und sein Schwager Jakob Gilcher aus Amerika zurückgekommen waren und sich in ihrem Heimatort niedergelassen hatten, beschloss ich eine Pilgerreise zu den Überbleibseln derjenigen Kapelle zu machen, die mich als erste mit der Liebe zur Musik infiziert hatte.
Von Kaiserslautern in der Pfalz, 50 Meilen südwestlich von Mainz, reiste ich an einem schönen Septembermorgen nach Wolfstein im wunderschönen Lautertal. Die Lauter fließt durch anmutiges Wiesenland, flankiert von Basalt- oder Sandsteinbergen, die bis zu den Gipfeln von Nadelwald bedeckt sind. Wein wächst häufig an den unteren Hängen, und eine erträgliche Sorte hat seinen Namen von der Musikanten-Hauptstadt Wolfstein, malerisch am Fuß des 1700 Fuß hohen Königsbergs gelegen. Eine Römerstraße nach Moguntiaoum (Mainz) verläuft über die Höhe des Königsbergs, und die ganze Umgebung ist reich an Antiquitäten, von denen viele ins Museum in Speyer gebracht worden sind.
Herr Gilcher, mittlerweile Bürgermeister von Eßweiler, erwartete mich wie vereinbart am Bahnhof in Wolfstein, und in seinem erwartungsvollen Blick erkannte ich meinen Freund als rüstigen alten Mann von über 70 Jahren, mit schneeweißem Haar, Schnurr- und Napoleonbart, so aufrecht und imposant wie ein General. Nachdem wir die Hände geschüttelt hatten sagte er „Ich verstehe kaum wen ich als Gast begrüßen darf.“. Ich antwortete „Ich bin der Junge der vor 25 Jahren ihrer Kapelle in den Straßen von Edinburgh folgte. Alles was sonnig und wonnig war in meiner Jugend hängt mit der Kapelle Gilcher zusammen.“ (All that was sunny and happy in my youth is bound up with Gilcher’s band.)

Wir überquerten die Schienen zum Gasthaus Schneider und sprachen bei einem Glas Wolfsteiner über vergangene Zeiten; und als ich die alten Lieder sang oder pfiff war Herr Gilcher stolz darauf, dass er in Edinburgh nicht vergessen war. Ein wettergegerbter Landmann mit wildem schwarzen Bart, Quäkerhut, und der Ausstrahlung eines Kolonialisten sprach mich in gutem Englisch an und drückte seine Überraschung über mein gutes Musikgedächtnis aus. Ich antwortete ihm dass ich, obwohl ich kein Musiker sei, die Musik doch liebgewonnen hätte.

"Wo haben Sie so gut Englisch gelernt?“ fragte ich ihn.
„In Liverpool, Sir.“
„Und was machten Sie dort?“
Er schaute zum Bürgermeister und antwortete „Ich war 14 Jahre in Liverpool im Musikgeschäft wie der Bürgermeister, Sir.“

Um 11 Uhr, ziemlich spät für eine Mahlzeit in einem Landstrich, in dem die Bauern bereits um 4 Uhr mit der Arbeit beginnen, um die Mittagshitze zu meiden, hatten wir ein einfaches aber ausgezeichnetes 5-gängiges Stammessen mit Wein, für das mein Gastgeber 1s 2d8 pro Person zahlte. Da es in Wolfstein keine Droschken gab, bestiegen wir mit Hilfe eines Stuhls einen Leiterwagen, den der Bürgermeister besorgt hatte, nahmen unsere Plätze auf einer mit einem Teppich bedeckten Planke ein und fuhren los in Richtung Eßweiler, mit meinem Liverpooler Freund als Fahrer. Als wir uns so den Berg unter den Obstbäumen, die am Straßenrand standen, hochwanden, zeigten meine Freunde hier auf ein Bauernhaus und da auf einen Laden oder ein Gasthaus, in die das bescheidene Glück einiger Musikanten auf den Straßen von London, Chicago oder Melbourne investiert worden war.

Am Ortsrand von Eßweiler grüßten wir einen Edinburgher Musikanten, der auf Urlaub zu Hause war und gerade hemdsärmelig das Laub eines Baumes erntete. Nun dämmerte mir, dass ich „den Arsch der Welt“ erreicht hatte, die wahre Kinderstube und das Zuhause der deutschen Kapelle. Um zum Haus des Bürgermeisters am anderen Ende dieses Dorfes von Kleinbauern zu gelangen, mussten wir uns vorsichtig durch Rinder, Schafe, Hähne, Hühner und andere bäuerliche Hindernisse durchfädeln. Der Bürgermeister führte mich in sein Büro und zeigte mir das Archiv von Eßweiler. Dann wechselten wir in die „Gute Stube“ und ich wurde seiner Frau und seinen Töchtern vorgestellt, einfachen, aber freundlichen Landbewohnern.

Beim Nachmittagskaffee erzählte mir Herr Gilcher einiges aus seiner Lebensgeschichte. Nachdem er 1855 eine Saison in Genf spielte, war er mehrere Jahre Mitglied einer Kapelle, die im Süden Frankreichs spielte. Damals trainierte er sich auf seinem Instrument, der Klarinette, lernte auch die anderen Blasinstrumente und studierte die Musiktheorie so erfolgreich, dass er auch eine Oper mit dem Namen „Telemachus“ komponierte. Er reiste für kurze Zeit mit seiner Kapelle nach Nordspanien und fügte seinen Französischkenntnissen auch etwas Spanisch hinzu.
Southhampton war die erste englische Stadt in der er spielte; von dort fuhr er wieder und wieder mit seiner eigenen Kapelle mit auf den Dampfschiffen, die nach West-Indien pendelten. Man bot ihm eine freie Passage nach Australien an mit der Option, sofort zurück kommen zu können oder auch der Möglichkeit, dauerhaft in diese Kolonie überzusiedeln. Sie schlugen ihr Lager in Melbourne auf und teilten sich dort die Auszeichnungen mit den englischen Militärkapellen, und drehten von Zeit zu Zeit ihre Runden bei den Siedlern, die sie gastfreundlich einluden und nicht mit leeren Händen wegschickten.

Herr Gilcher kam 1867 mit 15 Mann nach Edinburgh. Er teile sie in zwei Kapellen zu 8 und 7 Musikern. Zuerst wirkte er als Apollo Musagetes9 in der größeren Kapelle, doch mit der Zeit blieb er im Hintergrund, trainierte seine Musiker und arrangierte neue Musikstücke. Die Anpassung eines einzigen Stückes beanspruchte oft den größten Teil eines Tages. Die Musiker liebten Edinburgh und genossen vor allem die Sommerabende, wenn sie vor dankbarem und aufgeschlossenem Publikum in oder in der Nähe der Princess Street auftraten. Während der Ferienzeit waren sie auf den Crinan und Oban Dampfern zu finden und gaben abends im Garten des Great Western Hotels in Oban Konzerte. Sie litten viel im strengen Winter der Belagerung von Paris, und manchmal froren ihre Instrumente ein wie das Posthorn bei Baron Münchhausen.

1872 zog es Herrn Gilcher nach Boston, wo er 30 Mann unter sich hatte. Sie spielten nur kurze Zeit auf den Straßen. Bald hatte er sich als Arbeitgeber etabliert, der Kapellen für Bälle, Gartenparties, Ausflüge und Prozessionen anbot. Am 4. Juli trat er immer mit allen seinen Musikern in Uniform auf, und mit neuen Effekten, die er in seinen Märschen einführte, überflügelte er seine amerikanischen Rivalen. „Wir besiegten sie alle“ sagte er. Zwei seiner Schüler stiegen von Musikanten zu Musikern oder Künstlern auf - sein Sohn, der Flötenspieler, der schon gestorben ist, und ein anderer, der im Orchester der Wagner-Oper in Bayreuth spielte.
1888 verließ er 4 seiner Söhne, die gute Positionen in Boston innehatten, und kehrte sachkundig nach Eßweiler zurück, begleitet vom Posaunisten, seinem Schwager Jakob Gilcher, mit dem er 40 Jahre auf Reisen gegangen war. Er kaufte ein Haus und einen kleinen Bauernhof, auf dem er seinen eigenen Wein anbaute, wurde Bürgermeister des Dorfes und genoss hohes Ansehen bei den Bewohnern der Gegend. Nun, da er im Ruhestand war, fühlte er die Langeweile der Freizeit und trauerte den Tagen seiner Geschäftigkeit nach, als es immer aufwärts ging. Ich erinnerte ihn daran, dass er in seinem arbeitsreichen Leben viel erreicht hatte und dass seine jetzige Arbeit im Amt des Bürgermeisters immer noch wichtig sei.

Wir statteten Herrn Kilian einen Besuch ab, dem Besitzer eines kleinen Gasthauses, von dem gesagt wurde, er sei der am weitesten gereiste Musikant im Tal. Unglücklicherweise hatte er seinen Arm gebrochen und ich konnte ihn nicht befragen. Er war ein wunderbarer Posaunenspieler und höchst unternehmungslustig und erfolgreich als Kapellmeister. 185810 machte er sich von Barcelona auf nach Madrid, wurde jedoch wegen der politischen Unruhen, die zur Vertreibung von Königin Isabella führten, gezwungen, den Rückzug anzutreten und Spanien zu verlassen. Im folgenden Jahr versuchte er, gemäß dem Rat von Auswanderern aus Eßweiler, sein Glück in Amerika. Seine Kapelle war eine der Ersten, die den Atlantik überquerten. Erste Erfahrungen machten sie, als sie sich einem Zirkus anschlossen und den ganzen Sommer durch die USA tourten. Danach war er in Australien und von dort besuchte er die chinesischen Häfen wie mir gesagt wurde; während einer Cholera-Epidemie beerdigten sie einen deutschen Arzt, einen gebürtigen Wolfsteiner. Im Dienst eines amerikanischen showmasters sah er viel von Indien und seine Reisen führten bis in die Nähe der Afghanischen Grenze.

Obwohl ich Herrn Kilian nicht sah hatte ich das Glück, seinen Bruder zu treffen – einen Mann von 80 Jahren, mit klaren Augen und einem ernsthaften, festen Auftreten. Als der alte Mann mich mit dem Bürgermeister über Edinburgh reden hörte, sagte er:

„Ich war ebenfalls in Schottland.“
„Wann waren Sie dort?“
„Ich glaube, das war vor Ihrer Zeit mein Herr.“
„Wann war das?“
„Zum ersten Mal 1842.“
„Ich muss bekennen daß Sie im Vorteil sind. Ich war 1842 noch nicht in Schottland. Was machten Sie dort?“
„Jahr für Jahr ging ich mit einer siebenköpfigen Kapelle dorthin und ich reiste zu Fuß bis nach Thurso.“ Er benannte dann genaustens die Küstenstädte nördlich von Inverness. Er erinnerte sich genau an Edinburgh – das Schloss, Carlton Hill und, seltsam, die Hinrichtungsstätte. Hier mischte sich der Bürgermeister ein. „ Ich könnte mir denken, dass du zu der Zeit von der Maul- und Klauenseuche hörtest.“
„Das hatten wir, aber wir versuchten durchzukommen.“
„Verdienten Sie viel in Schottland?“ fragte ich.
„Genug zum Leben und auch etwas für die alten Tage.“
„Was halten Sie von den Schotten?“
„Gute, fromme, aufrichtige Leute.“
„Wenn Sie eine so hohe Meinung von den Schotten haben, würden Sie ein Glas mit mir trinken?“
„Mit Vergnügen.“
„Was trinken Sie?“
„Kümmel, mein Herr.“

In meiner Erinnerung verknüpfte ich Kümmel mit teurem Essen, einem kleinen Glas mit einem hohen Preis; doch als die Bedienung für die beiden Gläser den bescheidenen Preis von 1d11 verlangte, war ich enttäuscht so wenig zur Anerkennung dieses interessanten Musikveteranen zu bezahlen, der ein so aufrichtiger Bewunderer meines Landes war.

Während dieser Unterhaltung ging Jakob Gilcher am Fenster von Kilians Gasthaus vorbei auf seinem Weg von seinen Feldern nach Hause, und ich erkannte ihn sofort an seinem wiegenden Gang. Als wir ihn besuchten, hackte er Holz in einem Schuppen. Ihm in die Augen blickend fragte ich

„Kennen Sie mich?“
„Nein.“
„Das ist kein Wunder, da wir uns seit 23 Jahren nicht mehr gesehen haben. Waren Sie jemals in Edinburgh?“
„Ja.“
„Erinnern Sie sich an das Haus des Östereicher Botschafters?“
„Ja.“

Da erinnerte er sich deutlich daran, wie er einst ein Haus mit einigen offenen Türen betrat, die Posaune in der Hand, und auf Deutsch mit den Leuten redete. Er deutete auf sein Haus und den Stall und sagte: „Sehen Sie das? Das habe ich von dem Geld gekauft, das ich auf den Strassen verdient habe.“

Nach einem frühen Abendessen führte mich der Bürgermeister mit einer Lampe in der Hand zu meinem Nachtquartier. „Verzeihen Sie, dass ich kein eigenes Zimmer für Sie habe“ sagte er und fügte in seinem reizenden altertümlischen Dialekt hinzu: „Sie wohnen im Gasthaus meines Schwagers, seiner Tochter und ihres Ehemannes.“ Ich dachte bei mir, dass das ein Puzzle ist, das nur eine alte Frau mit Kenntnissen in Ahnenforschung lösen könne, doch schließlich konnte ich die so weitschweifig gemachten Verwandschaftsbeziehungen doch auflösen. Eine größere Gesellschaft hatte sich um den Kartentisch des einfachen Gasthauses eingefunden, um mich zu treffen – die Gilchers, zwei Musikanten aus Edinburgh, der Lehrer und seine beiden Söhne und ein junger Bildhauer, der in seinem Urlaub nach Hause zurückgekehrt war. Drei Flaschen Landwein, bestellt zum Wohl des Hauses und auf die Gesundheit der Gesellschaft, kosteten die erstaunlich geringe Summe von 2s 6d12.

Von den jungen Männern erhielt ich viele kuriose Informationen, die ich in Bälde auch noch notieren werde. Im Augenblick legte ich mehr Wert auf meine musikalischen Nachforschungen, weswegen ich mich meinem Nachbarn, dem Posaunisten zuwandte, und ihn mit einem Potpourri von Klängen, darunter auch einigen seiner eigenen Solos, bedrängte. Der Rest der Gesellschaft, mehr am Preis von Kartoffeln, Pflaumen und Wein interessiert, war vom Anblick des Fremden, der pfiff und sang als wäre er verrückt geworden, erstaunt . Doch der Kapellmeister war mehr als erfreut vom Enthusiasmus seines Anhängers, und als ich sagte „Merken Sie nicht, dass ein verfluchter Engländer die Stücke besser kennt als der Kapellmeister selbst?“ schüttelte er sich vor Lachen.

Ein erfrischender Schlaf in einem Bett, das so sauber war wie eins in Holland, bereitete mich für einen frühen Kaffee vor. Als ich die Wirtin fragte, ob sie Englisch verstehen würde, antwortete sie mir im reinsten Yankee Akzent aus Boston, wo sie aufgewachsen war. Dann erschien ihr Vater Jakob und nahm mich mit zu seinem Haus um die Namen der Stücke herauszusuchen, die ich suchte. In der „Guten Stube“ zog er unter dem Bett einen Kleiderkorb hervor, der die Notenbücher der alten Kapelle enthielt, und legte sie auf dem Tisch aus.
Da waren sie wieder, die wettergegerbten Seiten, die ich zuletzt 1872 gesehen hatte, die in der glühenden Hitze Melbournes Blasen bekommen hatten und vom Regen Edinburghs und vom Schnee Amerikas bespritzt worden waren. Die Ecken eines Buches waren verbrannt. Als ich nach dem Grund fragte antwortete Jakob „Oh, das geschah bei einem Eisenbahnunglück in Amerika bei dem der Zug Feuer fing. Wir konnten unsere Bücher nur unter Schwierigkeiten retten.“
Trotz 40 Jahre langer Reisen in denen er jedem Klima ausgesetzt war, war er nie krank geworden; und er war auch mit 54 so geschmeidig, aktiv und glücklich wie mit 20. Während wir Seite für Seite durchgingen, sprang er von Buch zu Buch, je nach dem Instrument, dem die Melodie zugewiesen war, bis ich meine Melodie identifiziert und ihren Namen notiert hatte. Ich war überrascht wie selten manches Musikstück war. Es ist kaum zu glauben dass diese umherziehenden Musikanten Stücke von „Gemma di Vergy“ und Mercadante's „Erode“, eine Cavatine von Gagliardi oder Raritäten wie den „Cumanian March“ und Lanner's Walzer „Die Kosenden“ in ihrem Repertoire hatten. Eine Kapelle aus dieser Region spielte eine Auswahl aus „Demophoon“13
der ersten Oper, die Cherubini in Paris veröffentlichte; ein Werk das in Peters Edition auftaucht, jedoch niemals aufgeführt wurde, weder ganz noch teilweise. Möglicherweise waren solche Auswahlstücke zuerst aus Notenbüchern der Militärkapellen von Musikanten, die in der Armee dienten, kopiert und dann von Kapelle zu Kapelle weitergegeben worden.
Ich war enttäuscht zu hören, dass Jakob seine Posaune verkauft hatte und ich nicht das Vergnügen haben würde, ein Solo von ihm zu hören. Er war nun zu beschäftigt um sich mit Musik zu befassen.

„Haben Sie niemals das Verlangen zu Spielen?“
„Doch; manchmal kommen die alten Gefühle bei der Arbeit in den Feldern hoch, doch ich muss sie dann unterdrücken.“
„Ich kann Ihnen nie verzeihen, dass Sie ihr Instrument verkauften. Auch wenn es nützlich für Sie war, so ist es doch ein Verlust für alle anderen.“

Das 10-Uhr Frühstück, bestehend aus den Grundnahrungsmitteln des Bauern – einem Meer aus Schinken und Eiern mit Zubehör, regte jedoch nicht meinen Appetit für das „Henkersmahl“ an, das mich eine Stunde später beim Bürgermeister erwartete. Hier wurde mir in klassischer Gastfreundlichkeit ein Mahl aus fünf wunderbaren Gängen vorgesetzt, von denen der vierte, ein traditioneller Zwetschgenkuchen, wahrhaft gigantische Ausmasse hatte. Das Ganze wurde heruntergespült mit großzügig gereichtem Wein, den mein Gastgeber selbst angebaut hatte. Ich überlebte dieses diätische Abenteuer und betrachtete nach dem Essen Fotografien von Herrn Gilcher in seinem besten Alter als Leiter der Kapelle, die er nach Amerika führte, und der Zirkuskapelle, die Jakob bis nach Mexiko brachte.

Nachdem ich meine musikalischen Nachforschungen abgeschlossen und mich von der Familie verabschiedet hatte, besuchte ich mit dem Bürgermeister die gut ausgestattete Dorfschule. Danach kehrten wir zu meinem kleinen Gasthaus zurück um Jakob zu treffen, der in der Zwischenzeit für mich die wunderbare „Gemüts-Polka“ des Kapellmeisters kopiert hatte. Ein Brennerei-Vertreter tauchte auf und zwischen ihm und Jakob entbrannte eine lebhafte Diskussion, ob er 1 Mark 80 oder 1 Mark 90 für 50 kg Pflaumen zahlen sollte.
Ich musste mich schweren Herzens von dem alten Mann unter dem Versprechen trennen, dass ich auf jeden Fall wiederkommen und ihn besuchen würde, wenn ich nach Deutschland zurückkehren würde. Er versprach, dass ich willkommen wäre und fügte pathetisch hinzu „Wenn ich noch lebe.“ Zum Bahnhof wurde ich von Jakob, Herrn Matthias, einem Edinburgher Musikanten und dem Bildhauer begleitet. Bevor wir das Dorf verliessen nahm mich Herr Matthias noch in sein Haus mit, einem Modell für Sauberkeit, und ich sah dort ein Bild des Fleisses – drei oder vier junge Frauen waren mit Handarbeiten oder an der Sähmaschine beschäftigt. Sie waren wohl zu schüchtern, um mit einem Fremden zu reden, so brach ich das Schweigen. „Ihr Landbewohner“ sagte ich „seid immer fleissig: Daheim stellt ihr Kleidung her und mit Euren Feldern versorgt Ihr uns Stadtbewohner mit Fleisch, Getreide, Früchten und Wein; ohne Euch könnten wir nicht überleben.“

Auf unserem Weg trafen wir eine Menschenmenge, die einem Karren folgte. „Ist das ein Picknick?“ fragte ich. „Nein mein Herr; das ist eine unserer Kapellen, die zurück in die Heimat kommt. Eine andere kam gestern aus Amerika zurück, und diese hier war vielleicht auf dem selben Schiff.“