Die Bewohner der Nordwest-Pfalz sind generell wanderlustig. Die Schuh-Verkäufer aus Pirmasens, die Bürstenmacher aus Ramberg, die Schausteller und Hausierer aus Karlsberg kann man bis über das Rheintal hinaus antreffen. Doch müssen sie sich in Anzahl und Unternehmungslust den Musikanten der Hardt geschlagen geben, die in der ganzen Welt umherstreifen. Sie sind nicht mehr so häufig auf dem Kontinent anzutreffen wie früher, doch ziehen sie nun nach England, ans Kap, Australien, den Vereinigten Staaten, Kanada, Brasilien, Argentinien, und eine Kapelle wagte sich bis nach Chile. Wenn jemals jemand den Nordpol erreicht und dort den unvermeidlichen Pfeife rauchenden Schotten antrifft, kann er sicher sein, dort seine Münzen auch einer deutschen Kapelle aus der Pfalz zuwerfen zu können.
Nach meiner Kenntnis (und ich spreche als Spezialist) gab es nur zwei Kapellen, die nicht aus der Gegend kamen: Eine kam aus Nassau, die andere aus Pforzheim in Baden.
Man hat errechnet dass es zu einem Zeitpunkt über 6000 Musikanten in den Tälern von Lauter und Odenbach und im Glantal, in das beide münden und der sie über Kreuznach in die Nahe, einem Nebenfluss des Rheins, bringt, gibt. In diesen drei Tälern kann ein Reisender problemlos auf Englisch nach dem Weg fragen; und wenn man im Winter, wenn viele Musikanten zu Hause sind, in einem Gasthaus eine zehn-köpfige Gesellschaft antrift, sprechen sicherlich sieben oder acht von ihnen wenigstens eine Fremdsprache. Einzelne Dörfer können zweihundert Musikanten antreten lassen.

Doch sogar ohne Entdeckungsreisen zu machen oder den Lebensraum der Musikanten mit wissenschaftlichen Methoden zu erforschen, bedarf es keines außerordentlichen Spürsinns um ihren Ursprung aus der Musik, die sie spielen, ableiten zu können. Bei jedem, der mit der Straßenmusik jener Zeit schritt hält, enthält die Kammer seiner musikalischen Erinnerung viele einfache Tänze, die den deutschen Kapellen eigen und allen gemein sind. Es sind unveröffentlichte Kompositionen der lokalen Kapellmeister, „Meister“ genannt, und sie werden von einer zur anderen Kapelle weitergereicht. Ein „Meister“ den ich kenne hat mittlerweile sein 300stes Werk erreicht.
Abseits dieser Anekdoten, die hier nicht näher zitiert werden können, war Gungl's „Krieger-Marsch“ ein Werk, das ausnahmslos zum Repertoire jeder kleineren Kapelle gehörte; zwei weitere häufig gespielte Stücke sind die „Abschieds-Polonaise“ von Flotow und der bekannte „Morgenstern“ Walzer des älteren Labitzky, der nun zum Schulstandart gehört.