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MusikgeschaeftAdolfSchwartzDurch den Wohlstand, den die Wandermusikanten in die Dörfer des Musikantenlandes brachten, profitierten die alteingesessenen Handwerksbetriebe. 
Uniformen, mit denen die Musikanten bei den Engagements in der Regel auftraten, wurden von den Schneidern hergestellt werde. Dazu wurden gefärbte Stoffe benötigt. Und auch das Schuhwerk der Musikanten wurde stark belastet, da lange Fussmärsche zu bewältigen waren.

In den Dörfern gab es damals Geschäfte die Artikel speziell für die Bedürfnisse der Musikanten anboten. Im Bild rechts ist das Haus von Adolph Schwarz aus Eßweiler zu sehen. Er war selber Wandermusikant und betrieb zu Hause ein Musikgeschäft. 

Die Agenturen der grossen Schifffahrtslinien wie Hapag, Norddeutscher Lloyd oder Woerman Linie boten über Vertretungen im Musikantenland - zum Beispiel Jakob Hebel in Rothselberg, Philipp Kläres in Jettenbach, Ernst Vogt in Wolfstein und verschiedene andere in der Gegend - direkt vor Ort Schiffspassagen an. Mancher Meister bot seine Kapelle dann als Bordkapelle an, um Transferkosten zu sparen (eine Schiffspassage von Hamburg nach New York kostete 1885 62 Mark).

Instrumentenbauer

Ein Handwerkszweig der besonders vom Musikantentum profitierte, waren die Instrumentenbauer. Überall entstanden Betriebe, die die stark beanspruchten Instrumente reparierten oder auch neue bauten. 

In Oberweiler im Tal und Hinzweiler war der Klavierbauer Friedrich Eichler (1854 - 1934) ansässig. Vorgefertigte, bei auswärtigen Firmen bestellte Teile des Klavierinnenlebens, zum Beispiel die Hammermechanik eines im Musikantenlandmuseum erhaltenen Klaviers, die von einer Hamburger Firma kam,  wurden in selbst gearbeitete Gehäuse eingebaut, ein Verfahren, das auch im Geigenbau verbreitet ist. 
Ein Kunde eines solchen, für die Wandermusikanten eigentlich untypischen Instrumentes, war zum Beispiel der Aschbacher Komponist Rudolf Mersy, ein Wandermusikant der ein umfangreiches Werk hinterlies und als "Aschbacher Mozart" bezeichnet wurde.

Auf zwei weitere Instrumentenbauerfamilien soll im Folgenden weiter eingegangen werden.

Die Familie Pfaff

In Kaiserslautern beheimatet war die Familie Pfaff. 5 Söhne des Drehers Johannes Pfaff erlernten in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts den Beruf des Instrumentenbauers.

GeorgMichaelPfaff-01Auf der Kaiserslauterer "Ausstellung der Industrie-Produkte der Pfalz" 1843 stellen Franz und Georg verschiedene Instrumente aus. Franz Pfaff blieb Kaiserslautern bis zu seinem Tod treu. Seine Holzblasinstrumente waren sehr gefragt, weil er früh die Bedeutung des Boehm-Systems, einer neuen Technik des Klappen- und Ringsystems, mit dem sich jedoch anfangs nicht alle Musiker anfreunden konnten, erkannte (das Boehm-System verdrängte weltweit nach und nach das bisher übliche "deutsche System nach Oehler", da es bei gleicher Qualität billigere Instrumente ermöglichte. Wer's genauer wissen will findet im Internet weitere Informationen.). Nach seinem Tod 1895 wurde das Geschäft in der Theaterstrasse in Kaiserslautern von Fritz Mallach weitergeführt. Er erweiterte die Produktpalette um Musikautomaten. Seine Streichinstrumente wurden in einem Standartwerk, dem Brüsseler Geigenlexikon von 1951 erwähnt. Das Ende kam 1924, nachdem Gegner die Geschäftsräume des Separatisten Mallach verwüsteten.

Jakob, Johann und Georg Pfaff versuchten sich als Instrumentenbauer in den USA.

1851 gründete Georg Michael Pfaff, nach einer ausgedehnten Wanderschaft im Habsburger Reich und in Frankreich, in Kaiserslautern eine eigene Werkstatt. Auf der Weltausstellung 1851 in London wurden seine Produkte hoch gelobt, und auch hierzulande erlangten sie Preise. 
Ab 1862 fertigte er in seiner Werkstatt auch Nähmaschinen, der Beginn der Weltfirma "Pfaff", die in Kaiserslautern in ihrer Blütezeit 10 000 Arbeiter beschäftigte.

Eine Anekdote berichtet, wie Georg Michael Pfaff zum Nähmaschinenbau kam:
"Ein Wandermusikant aus Etschberg brachte seiner Ehefrau aus den USA die neuste Entwicklung, eine Nähmaschine, als Geschenk mit. Nach einiger Zeit gab das Gerät jedoch seinen Geist auf. Die Lösung war Georg Michael Pfaff, der damals die lädierten Instrumente der Wandermusikanten einsammeln lies, in seiner Werkstatt reparierte und im Ruf stand, jedes Problem an jedem technischen Gerät beseitigen zu können. Georg Michael schaffte es tatsächlich, die Maschine wieder zum arbeiten zu bewegen."

Eine zeitlang betrieb Georg Michael Pfaff Instrumenten- und Nähmaschinenbau gleichzeitig, schliesslich sah er aber in der Nähmaschinenproduktion die grössere Zukunft.

Die Familie Sander

Friedrich Jakob Sander wurde 1809 in Wolfstein geboren und ist 1876 in Kaiserslautern gestorben. Er heiratete nach Ulmet und gründete 1834 die "Erste pfälzische Geigenbau-Anstalt" in Kaiserslautern. Seine Instrumente, wie auch die des Pfaff-Nachfolgers Mallach, sind im 1951 erschienenen Standartwerk über Geigenbau, dem Brüsseler Geigenlexikon, erwähnt. 1836 übersiedelte er mit der Familie nach Kaiserslautern. Auf der "Ausstellung der Industrie-Produkte der Pfalz" 1843 bot er u.a einen Kontrabass für 88 Gulden und eine Violine für 22 Gulden an. Aus der "Pfälzischen Geigenbau-Anstalt, Kaiserslautern" von Friedrich Sander stammt auch eine Geige von Adolph Gilcher, die jetzt im Musikantenland Museum auf Burg Lichtenberg ausgestellt ist.

Rudolf Sander mit der grössten Tuba der WeltAuch sein Sohn Jakob Sander, geboren 1833 in Ulmet, gestorben 1897 in Kaiserslautern, baute Instrumente. Er belieferte den Zarenhof in St. Petersburg und lieferte auch in die USA.

Jakob Sander I. hatte 10 Kinder, von denen 5 Instrumente herstellten. Einer jedoch, sein Sohn Friedrich Sander III., geboren 1856, absolvierte die Königliche Musikschule in München und trat 1878 der Königlich Bayerischen Hofkapelle bei. Er arbeitete auch als Violinlehrer und Komponist, dessen Werke vom Publikum beifällig aufgenommen wurden. Er starb 1899.

Ein anderer Sohn, Jakob Sander II., geboren 1857 in Kaiserslautern, wandte sich der Instrumentenbauertradition zu. 1895 wanderte er in die USA aus und arbeitete dort als Instrumentenmacher. Er betätigte sich auch als Vermittler für seinen Bruder Rudolf, geboren 1866 in Kaiserslautern.
Dieser, einer der bedeutendsten Instrumentenbauer,  kehrte 1892 zum Stammsitz nach Wolfstein zurück. Er genoss einen sehr guten Ruf als Instrumentenbauer und konnte dadurch die US-Orchester als Kunden gewinnen. Seine Instrumente waren wegen ihrer Tonreinheit und ihres Wohlklanges gerühmt und er erhielt zahlreiche Dank- und Anerkennungsschreiben von seinen Kunden. Rudolf Sander baute die grösste Tuba der Welt: eine Subcontra-C, die im Musikantenlandmuseum auf Burg Lichtenberg zu bestaunen ist (siehe Bild auf der rechten Seite). Er starb 1942 in Wolfstein. Zwei seiner Söhne folgten der Familientradition:

Friedrich Sander, geboren 1894 in Wolfstein, führte das Geschäft des Vaters in Wolfstein weiter. Er starb 1975.

August Sander, geboren 1898 in Wolfstein, eröffnete in Lauterecken eine Werkstatt, die sein Sohn Ludwig, geboren 1927 in Wolfstein weiterführte. Diese Lauterecker Instrumentenwerkstatt der Familie Sander ist jetzt im Druckereimuseum in Wolfstein zu besichtigen.

Viele Instrumente der Wandermusikanten sind im Musikantenlandmuseum auf Burg Lichtenberg und im Westpfälzer Musikantenmuseum in Mackenbach zu sehen.

Quellen:

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