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Von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg

Der älteste Verein Eßweilers ist der Gesangverein. Er wurde als Männergesangverein gegründet. Laut einer Bestandsaufnahme des Deutschen Sängerbundes von 1942 erfolgte die Gründung im Jahre 1888. Urkunden oder Protokollbücher aus den Anfangsjahren gingen jedoch verloren, so daß bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts keine Unterlagen mehr vorhanden sind. Die einzige schriftliche Quelle zur Vereinsgeschichte ist ein Kassenbuch, das seit 1900 geführt wurde und das auch ein Mitgliederverzeichnis enthält.

In den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg gewann der Verein viele Mitglieder. Jedes Jahr wurde ein Vereinsball abgehalten, abwechselnd in den Gaststätten Kilian (heute Henn) und Köhler (ehemals Schmitt). Die Dirigenten waren in der Regel die damaligen Schullehrer. Der Monatsbeitrag für die Mitglieder lag bei 20 Pfennigen, die einmalig zu zahlende Aufnahmegebühr betrug 1 Mark. Strafgelder wurden für das Fehlen bei den Singstunden erhoben.


Fahnenweihe des Arbeitergesangvereins 1928

Seit 1902 weist das Kassenbuch regelmässig Ausgaben für Theaterbücher und Leihgebühren für Kostüme aus. Anscheinend betätigte sich der Verein nicht nur gesanglich sondern gab auch Theateraufführungen. Eine alte Tradition also, die die zum Ende der 1990er Jahre neu gegründete Theatergruppe wieder aufleben lässt. 

1911 feierte der Verein die Fahnenweihe. Auf der damals angeschafften Vereinsfahne wurde als Gründungsjahr 1899 angegeben. Seit dieser Zeit wird auch ein Liederbuch geführt, in das die eingeübten Gesangsstücke handschriftlich eingetragen wurden.

Im Ersten Weltkrieg ruhte der Verein. Er wurde 1918 wieder ins Leben gerufen und konnte viele Neumitglieder gewinnen, auch der langjährige Dirigent Oswald Henn wurde 1919 Mitglied.

Ein zweiter Männergesangverein - der Arbeiter-Gesangverein

1925 kostituierte sich in Eßweiler ein zweiter Männergesangverein, der Arbeiter-Gesang- und Unterstützungsverein. Erster Vorsitzender war Richard Fickeisen, ein Jahr darauf folgte ihm Fritz Merker. Der Dirigent des Vereins war Oswald Henn. Der Arbeiter-Gesangverein feierte 1928 Fahnenweihe. 

Beide Vereine existierten nebeneinander. Es ist nicht bekannt, ob es zu Spannungen kam. Der Volksmund nannte den "alten" Verein den "bürgerlichen Gesangverein", der "neue" war der "Arbeitergesangverein". Mit der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden beide Vereine im Zuge der Gleichschaltung zum "Männergesangverein Eßweiler" zusammengefasst. Dirigent wurde damals Oswald Henn.

Der Männergesangverein war bis 1942 aktiv. Im Jahre 1940 hatte der Verein 110 Mitglieder und 5 Ehrenmitglieder: Eduard Becker, Ludwig Henn, Wilhelm Hahn, Ludwig Kilian und Jakob Hertel.  Bis 1942 sank die Mitgliederzahl auf 99.


Festumzug beim Sängerfest 1955

Seit dem Zweiten Weltkrieg bis heute

Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte der Verein im Jahre 1946 unter dem damaligen Vorsitzenden Karl Wolf wieder aktiviert werden. Aus der Vorkriegszeit konnte ein Guthaben von 41,10 Mark übernommen werden. Zu Silvester 1947 wurde im Gasthaus Henn ein Theaterabend mit Vereinsball abgehalten. Der offizielle Gründungsakt, der dieser Veranstaltung vorausgehen musste, war nicht ganz einfach. Ein Antrag vom 12. Februar 1947 zu einer Gründungsversammlung am 25. Februar 1947 wurde vom Landrat abgelehnt, da von der französichen Militärregierung dazu keine Erlaubnis eingeholt worden war. Daraufhin wurde als neuer Gründungstermin der 11. März 1947 festgelegt. Auch dieser Termin war gefährdet, da die französische Besatzungsbehörde in Kusel verlangte, daß die neue Vereinssatzung auch ins Französische übersetzt werden müsse. Diese Übersetzung besorgte dann der aus Eßweiler stammende Jettenbacher Lehrer Karl Köhler.

In der Folgezeit konnte der Verein wieder an die grosse Tradition der Vorkriegszeit anknüpfen und genoss unter seinem Dirigenten Oswald Henn hohes Ansehen. Er war bei Liederabenden und Sängerfesten in der Region ein gern gesehener Gast. Auch das Theaterspiel wurde wieder aufgenommen und war bis zum Ende der 1960er Jahre ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Eßweiler. 1955 wurde ein grosses Sängerfest in den Talwiesen in der Krämelstrasse abgehalten.

Erste Krisen traten in den 1960er Jahren auf. Es wurde immer schwieriger, Nachwuchssänger zu gewinnen, der Fortbestand des Vereines war gefährdet. Deshalb wurde im Januar 1967 eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen.


Festumzug beim Sängerfest 1955

Ergebnis dieser Sitzung war die Gründung eines Frauenchores im Februar 1967. Gleichzeitig wurde auch ein gemischter Chor ins Leben gerufen. Durch diese Massnahmen konnte der Verein in der Folgezeit wieder in einer beachtlichen Stärke bei inner- und ausserörtlichen Veranstaltungen teilnehmen.

Aufgrund der damals vorhandenen Vereinsunterlagen wurde 1975 das 75-jährige Jubiläum des Vereins mit einem grossen Sommerfest gefeiert. 1981 wurde Oswald Henn, der dem Verein über 50 Jahre lang von 1925 an als Dirigent musikalisch leitete, in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger ist seither Bernd Kraushaar. 1990 wurde, mit zweijähriger Verspätung, das 100-jährige Vereinsjubiläum gefeiert. 

Den Verein plagten jedoch weiterhin Nachwuchssorgen. Seit den 1990er Jahren gibt es deshalb eine Chorgemeinschaft mit dem Gesangverein Horschbach.

Quellen

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