Deutsche Auswanderungen nach Brasilien |
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Das steinerne Haus im Wald der deutschen Kolonie bei São Paulo
Ganz am südlichsten Rand des Gemeindegebiets von São Paulo in Brasilien, wo die Pfälzer und Hunsrücker Auswanderer 1829 angesiedelt wurden, befindet sich tief im Wald, weitab von asphaltierten Straßen, ein ganz besonderes und in seiner Bauart an dort seltenes Haus, das in zweierlei Hinsicht für Eßweiler und das Kuseler Land recht interessant ist: das so genannte „Steinernes Haus“ (casa de pedra). 1851 erbaut, hat es den Namen von seiner sehr massiven Steinbauweise aus Granitblöcken mit einer Wandstärke von fast einem Meter, während ansonsten im 19.Jahrhundert dort nur die einfache Holzbauweise oder eine gemischte Holz- und Lehmbauweise üblich war.
Es wird heute von der 83-jährigen Yolanda Aparecida Roschel-Guilger-Reimberg bewohnt. Die Mutter ihres Ehemannes Paulo Guilger-Reimberg war Catharina Guilger, eine Enkelin des Einwanderers Johannes Gilcher aus Eßweiler. Man geht davon aus, dass Johannes Gilcher sich dieses Haus im Alter von 45 Jahren baute. Auf der Fahrt über die Staubstraße zu diesem Haus passiert man kurz vor der Ankunft dort ein Waldstück, das den Namen „Bosque do sapateiro“ (Gehölz des Schuhmachers) trägt. Johannes Gilcher war von Beruf Landwirt und Schuhmacher. Wie auch in der Pfalz früher üblich, wurde auch sein Sohn Pedro noch nach dem Elternhaus „Pedro Sapateiro“ genannt, obwohl er gar kein Schuhmacher mehr war.
Die Granitblöcke holte sich der Erbauer des steinernen Hauses aus der unmittelbaren Umgebung. Keine 50 Meter vom Haus befinden sich zwei kleine Steinbrüche, die lediglich zum Bau dieses einen Hauses ausgebeutet wurden. Darin kann man noch die Bohr- und Sprenglöcher erkennen, sowie die planen Flächen, wo damals die Steine von den großen Felsen abgesprengt wurden. Am Haus selbst sieht man an den Ecksteinen die unregelmäßigen Spuren manueller Bearbeitung. Hier wird man sofort an das Kuseler Land mit seinen heute noch existierenden Steinbrüchen erinnert, oder auch an das Eßweiler Ortswappen, auf dem ja auch die Steinbearbeitung symbolhaft dargestellt ist, weil eben auf Eßweiler Gemarkung das Steinbrechen eine Rolle spielte.

Im nahegelgenen Steinbruch

Seit 1851 wird das Haus von der Familie Guilger, bzw. heute durch Erbschaft und Heirat von der Familie Reimberg (ursprünglich Rheinberger, aus Erdesbach stammend) bewohnt. Im Laufe der Zeit sind weitere Gebäude auf dem Gelände errichtet worden, ein Gästehaus mit Schwimmbad, welches für Familienfeiern und als Ferienhaus vermietet wird. Eine kleine Oase im Wald mit großen Fischteichen, ein starker Kontrast zu der von Menschen und Fahrzeugen wimmelnden und pulsierenden Metropole São Paulo.
Die kilometerlange Straße, die aus den südlichen Vororten São Paulos dorthin führt, ist nach dem letzten Besitzer des Steinhauses „Avenida Paulo Guilger Reimberg“ (1926-1978) benannt. Auch in Santo Amaro gibt es eine Straße, die nach einem Gilcher benannt ist: die „Rua José Guilger Sobrinho“ hat ihren Namen von einem Enkel des Einwanderers Johannes Gilcher. José Guilger Sobrinho (1893-1963) war der letzte Bürgermeister in Santo Amaro, bevor der Ort nach São Paulo eingemeindet wurde. In anderen Straßennamen findet sich mehrfach der Pfälzer Name Schunck, Nachkommen des Ulmeter Einwanderers Heinrich Schunck. So sind also Spuren des Westrich schon in den Straßennamen São Paulos zu finden, aber bei näherem Nachforschen finden sich Pfälzer Spuren auch an vielen anderen Plätzen.
(Text und Bilder stammen von Friedrich Hüttenberger. Weitere Informationen zu den pfälzer Auswanderungen und zur Familie Gilcher findet man seiner Website unter www.huettenberger.homepage.t-online.de)
Google Earth Koordinaten von Santo Amaro, São Paulo: 23°38'60.00"S 46°42'0.00"W
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| 12. Juli 2009, webmaster@essweiler.de | |