Die Wandermusikanten |
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Die Einkünfte der Kapellen waren in der Regel vom organisatorischen Geschick des "Meisters" abhängig. Er war für das Repertoire und die Auswahl der Reiseroute und der Engagements verantwortlich. Er setzte auch die Vorgaben bezüglich der Lebensführung während der Reisen, die natürlich von den anderen Mitgliedern der Kapelle eingehalten werden mussten. Mehr und bessere Engagements erhöhten die Einnahmen der Kapelle während Sparsamkeit z.B. bei der Wahl der Unterkünfte und der Verpflegung, den Gewinn, der in die Heimat geschickt werden konnte, vergrösserte.
Die einzelnen Mitglieder der Kapelle wurden vom Meister anhand ihrer Erfahrung bezahlt und war auch vom Gewinn der Kapelle abhängig. Anfänger erhielten einen Wochenlohn von 5 bis 10 Mark, erfahrene Musikanten 20 bis 30 Mark.
Die Kapelle von Hubertus Kilian erzielte während ihres China-Aufenthaltes 1863/64 Einnahmen von ca. 13.000 Dollar. Die ausgaben lagen in der Zeit bei ca. 1.200 Dollar. Im folgenden Auszüge aus seinen Tagebuchaufzeichnungen:
| Einnahmen, Oktober 1863: | |
|---|---|
| Erstes Konzert | 78.- Dollars |
| German Hall | 10.- Dollars |
| Konzert mit Simons | 26.- Dollars |
| Hotel d´Europe | 40.- Dollars |
| Konzert Clarendon | 32.- Dollars |
| Konzert Clarendon | 123.- Dollars |
| Konzert Clarendon | 76.- Dollars |
| Hotel d´Europe | 40.- Dollars |
| Konzert Clarendon | 67.- Dollars |
| Do unt. Mitwirkung v. Frl. Banln | 153.75 Dollars |
| Dinner (Schlacht bei Leipzig) | 77.- Dollars |
| Konzert unt. Mitwirkung v. Frl. Banln | 41.75 Dollars |
| Do. do. | 52.75 Dollars |
| Do. do. | 28.- Dollars |
| Serenade (Loreio) | 50.- Dollars |
| Konzert unt. Mitwirk. v. Frl. Banln | 30.- Dollars |
| Hotel d´Europe | 40.- Dollars |
| Rislens Zirkus | 100.- Dollars |
| Einnahmen aus verk. Eintrittskarten | 63.- Dollars |
| Summa: | 1128.25 Dollars. |
| Ausgaben Oktober 1863: | |
| Drucksachen, Miete, Brückengeld, für Billeteinnehmer und Kulis zus. |
179.50 Dollars |
| Monat | Jahr | Einnahmen: Dollars | Ausgaben: Dollars |
|---|---|---|---|
| Dezember | 1863 | 881.- | 74.- |
| Januar | 1864 | 1011.- | 53.75 |
| Februar | 1864 | 786.50 | 37.- |
| März | 1864 | 1213.75 | 122.75 |
| April | 1864 | 1096.- | 76.25 |
| Mai | 1864 | 444.75 | 139.- |
| Juni | 1864 | 1801.50 | 86.50 |
| Juli | 1864 | 1248.50 | 127.25 |
| August | 1864 | 863.50 | 70.50 |
| September | 1864 | 1016.25 | 78.50 |
| Oktober | 1864 | 1350.- | 139.75 |
| November | 1864 | ? | 66.- |
| Dezember | 1864 | 925.50 | ? |
Nimmt man für einen Dollar 4 Mark an, so liegt der Gewinn der Kapelle
1863/64 bei etwa 50.000 Mark. 
Hubertus Kilian hatte allerdings im Jahr zuvor in Australien durch einen
Bankencrash ein Vermögen verloren.
Er baute sich in Essweiler ein Gasthaus, das heute noch besteht.
Johann Schwarz II. aus Hefersweiler hatte, neben dem Kauf von 5 ha. Land und einem Anwesen, ein Sparvermögen von 33.000 Mark (bis zur Inflation)
Der Kapellmeister Rudolf Höring aus Niederstaufenbach konnte aus den USA 1904/05 1.074 Dollar (etwa 4.400 Mark) heimschicken. Aus seinen Tagebuchaufzeichnungen geht hervor, dass auf dieser Reise sein Bruder Ernst, geboren 1876, 652 Dollar (2.900 Mark) erzielte. Karl Hahnenberger aus Wolfstein, geboren 1872 im halben Jahr 120 Dollar (460 Mark), ebensoviel der 1878 in Frankelbach geborene Karl Hengen. Gustav Rheinheimer aus Jettenbach erhielt im Dreivierteljahr 220 Dollar ( 920 Mark). Der jüngste Musiker, der 1888 in Jettenbach geborene Albert Fuchs erhielt im Vierteljahr 80 Dollar ( 330 Mark). Der Reingewinn der gesamten Kapelle 2.900 Dollar (etwa 12.000 Mark).
Das Bayerische Statistische Landesamt veröffentlichte 1910, dass im Jahr
1909 in den Distrikten Kusel, Lauterecken und Wolfstein insgesamt 1043
Wandermusikanten tätig waren, die in Europa, Afrika, Nord- und Südamerika,
Japan, China, Australien und Indien musizierten.
Nimmt man einen durchschnittlichen Verdienst von 15 Mark pro Woche an, so
erzielt ein Musikant während der Saison von Fasching bis Oktober in 33 Wochen
495 Mark. Die 1043 Musikanten bringen pro Jahr also über 500.000 Mark in die
Westpfalz !
1899 betrugen die Spareinlagen auf dem Musikantenkonten der Distriktsparkasse Kusel 451.000 Mark. 1909 waren es 1.185.000 Mark
Von dem Geld wurden in der Heimat Häuser und Bauernhöfe gebaut und repariert, Wiesen, Äcker, Vieh, Geräte und Möbel angeschafft. Die Häuser der Wandermusikanten wurden durch "Musikantengiebel" verschönert und waren manchmal dem amerikanischen Kolonialstil nachempfunden. Die ehemals armen Musikantendörfer konnten sich mit dem in der Ferne eingespielten Geld "herausputzen". Davon profitierten auch die alteingesessenen Handwerksbetriebe. Im Umfeld der Musikanten etablierten sich noch weitere Handwerksbetriebe: Kappenmacher, Uniformschneider, Färber, Instrumentenbauer.
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| 03. März 2006, webmaster@essweiler.de | |