Wandermusikanten in Essweiler

von Heike Spohn, Essweiler

Wandermusikanten, allgemein:

Wandermusikanten waren reisende Musiker, die sich zu sogenannten "Partien" zusammenschlossen und von ihren Heimatorten aus zum Geldverdienen in der ganzen Welt umherreisten.
Eine Partie bestand aus ca. 6-14 Mann, wobei der sogenannte Meister seine Leute aussuchte und auch entlohnte.
Der Beginn der Zeit der Wandermusikanten wird auf den Anfang des 19. Jahrhunderts datiert, wobei das Datum nicht genau festlegbar ist. 
Entstanden ist das Wandermusikantentum aus der Not heraus. Es mangelte an Arbeitsplätzen, in der Westpfalz gab es fast keine Industrie, es herrschte große Armut, der Boden war nur wenig ertragreich, es gab Missernten und die Zahl der Bevölkerung stieg stetig an. Andere Quellen behaupten das Wandermusikantentum wäre wegen der besonderen musikalischen Begabung der Leute in dieser Region entstanden.
Um 1820 nahmen Landmusikanten nicht mehr nur ihre Söhne, sondern auch andere Kinder aus den Dörfern mit auf ihre Reisen, oder an Musik interessierte Väter lernten ein Instrument was sie auch ihren Kindern beibrachten und mit ihnen auf Reisen gingen. Am Anfang lernten die Kinder im Winter notdürftig ein Instrument spielen und die eigentliche Ausbildung hatten sie im Ausland. Unbegabtere Kinder spielten dann auf Jahrmärkten, gaben die Musik ganz auf, oder spielten ihr Leben lang Begleitinstrumente. Die Musikerbanden spielten auf Volksfesten oder in Kneipen (vor allem Matrosenkneipen) als Tanzkapellen, später waren Pfälzer Wandermusikanten in den wichtigsten amerikanischen Orchestern vertreten und sie spielte in den bekanntesten Seebädern Europas.
Als die Leute im Heimatort sahen, das die Musikanten gut verdienten, wollten immer mehr Leute Musik machen.

Auswandererzahlen von der Pfalz und von Deutschland in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts:

JahrPfalzDeutschland
18379 122-
18406 14722 000
18434 68922 000
184610 23756 000
184913 76260 000
185218 956145 900
185521 897-
18588 407-
18615 428-
18643 544-

Durch die stetig steigende Konkurrenz nahm die Qualität der Musik, die am Anfang nicht so gut war stetig zu und die Ausbildungszeit der Jugendlichen wurde von 2-3 Monate auf 2-3 Jahre verlängert.
Nach der Konfirmation gingen die "Osterbuben" das erste mal mit auf die Reise, und nach 2-3 Jahren in einer Partie galten sie als vollwertige Musiker. Der Arbeitstag eines Musikanten betrug 8-10 Stunden, wobei am Abend und an Sonntagen noch Proben dazukamen. 
Die ersten Wandermusikanten wanderten nach Frankreich und Nordamerika aus, später waren die USA und Australien die Hauptziele der Wanderer. In den USA bildeten die Wandermusikanten für die deutschen Auswanderer eine "Brücke zur Heimat". Die wenigsten Musikanten blieben auch wirklich für immer im Ausland. Die meisten kamen nach einem Jahr, oder auch ein paar Jahren wieder nach Hause zurück und blieben dort über Winter bei ihren Familien, um dann im Frühjahr evtl. mit einer anderen Partie wieder loszuziehen.
Das die Musikanten ihr Handwerk beherrschten zeigt sich dadurch, dass sie die Stücke für wechselnde Besetzungen umarrangieren konnten und über 250 Eigenkompositionen von Westpfälzer Wandermusikanten aufgefunden wurden, was aber nur ein Bruchteil des tatsächlich komponierten ist.
Für unsere Region hatte das Wandermusikantentum eine große wirtschaftliche Bedeutung. Es wurden Devisen beschafft (1909 ca. 1. Million Goldmark im Jahr).Das Handwerk in der Heimat entwickelte sich nach den Bedürfnissen der Musikanten. Es gab Banken die nach dem Bedarf der Musiker ausgerichtet waren, Färber- und Tuchmacher zur Herstellung einheitlicher Kleidung und Instrumentenbau. 

in Kürze:

Gemeinde Essweiler

09. Februar 2002, webmaster@essweiler.de