Nachdem die besseren Musiker von den Kapellmeistern für die größeren Kapellen verplichtet waren, die systematisch unsere Städte abklappern oder Engagements in unseren Kurorten haben, blieben die Übrigen für die kleineren Unternehmungen, die nach dem Grundkapital-Prinzip18 verwaltet werden und die von Ort zu Ort zogen. Manchmal wurden die Frauen und Schwestern der Musiker aufgerufen, die Reihen aufzufüllen; und manch einer hat diese seltsam anzuschauenden Kapellen deutsche Volkslieder in einer vielleicht bäuerlichen Weise aber nicht unangenehm singen und spielen gehört.
In der Regel ist es jedoch abscheulich, wie die Neulinge ausgenutzt werden19. Ihr Leben, wie auch immer, ist menschlich und vielleicht auch musikalisch gesehen interessant. Doch obwohl sie nur wenig Geld verdienen, müssen sie viele Schmähungen und Elend ertragen. Die besseren Musikanten haben immer ein Heim; sie haben eine gute Wohnung, ausreichend zu Essen und werden gut bezahlt. Die Umherziehenden verdienen weniger, wohnen in gewöhnlichen Pensionen und haben nur unregelmäßige Mahlzeiten.

Eine Unterhaltung, die ich einst mit einem Klarinettisten einer außergewöhnlich übelklingenden Kapelle führte, bringt vielleicht etwas Klarheit über ihre Lebensweise. Unser Gespräch mit einem beschwichtigenden Sixpence eröffnend, fragte ich

Wie lange waren Sie in Edinburgh?“
„Zwei Monate.“
„Wo waren Sie im Sommer?“
„Wir zogen weit in den Norden bis Höhe von Invergordon.“
„Reisten Sie mit dem Zug?“
„Nein, das konnten wir uns nicht leisten; Wir gingen den ganzen Weg zu Fuss.“
„Woher kennen Sie die Strasssen und die besten Plätze zum Spielen?“
„Wir waren schon oft in Schottland und fühlen uns dort wie zu Hause.“
„Doch wie machten Sie das beim ersten Mal?“
„Mein Vater, der viele Jahre in Glasgow war und mit seiner Kapelle auf dem Oban Dampfschiff spielte, kennt Schottland und alle lohnenden Ziele dort gut; er gab mir viele Ratschläge bevor wir die Heimat verliessen.“
„Aber was wäre gewesen, wenn Sie sich in den Highlands verlaufen hätten und in die Moore geraten wären, wo es niemanden gibt, für den Sie spielen könnten?“
„Wir haben eine Karte, und die Leute in unserem Nachtquartier zeigten uns die Richtung jeden morgen, bevor wir loszogen,“ Hier zog der Musikant seine Landkarte hervor us zeigte mir die Route, der sie folgten.
„Wie fanden Sie ein Nachtquartier?“
„Wir können genug Englisch um zu fragen. Und wenn es kein Quartier gab, übernachteten wir draussen.“
„Wieviel zahlten Sie für eine Übernachtung?“
„Vier oder sechs Pence pro Kopf.“
„Woher kommen Sie?“
„Wir kommen aus der Nähe von Wolfstein in der Rheinpfalz.“
„Wie gelangten Sie nach England?“
„Wir fuhren mit dem Zug nach Rotterdam und setzten von dort nach Harwich über.“
„Wie lange dauerte von dort die Reise bis Edinburgh?“
„Drei Monate. Wir zogen kreuz und quer durch England und spielten auf dem ganzen Weg.“
„Wie nahmen Sie ihre Mahlzeiten auf dem weiten Weg ein?“
„Wir nahmen ein gutes Frühstück in unserem Quartier bevor wir weiterzogen. Mittags kauften wir Brot und Käse. Und am Abend kochten wir etwas, so dass wir wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag hatten.“
„Haben Sie keine Angst von den Männern, die das Geld einsammeln, betrogen zu werden?“
„Nein; wir sind alle Nachbarn zuhause und wir können einander vertrauen. Unsere Leute sind selten unehrlich. Aber ich habe von Kapellen gehört, in denen die Männer sich misstrauen, und es dauert Tage das Geld einzusammeln18.“

So ist das Leben der deutschen Musikanten, ein ausgefallenes Leben, aber vielleicht so glücklich wie Ihres oder meines. Denken sie freundlich von ihnen, wenn sie an Ihnen vorbeikommen, und missgönne ihnen nicht einen Copper für die „Gudefrau“ zu hause; und wenn Sie jemals in der Pfalz sind versäumen Sie es nicht diesen altmodischsten Platz und die einfachsten und freundlichsten Menschen auf der Erde zu besuchen. Es leben die Musikanten. „Fröhlich Pfalz, Gott erhalt's“

George B. Gardiner